Kasachstan: Regierung denkt über Kopftuchverbot nach

Die kasachische Regierung denkt über ein Kopftuch- und Burka-Verbot nach. Religionsminister Nurlan Ermekbaev begründete diese mit einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Die Initiative für alle Gesetzesanpassungen, die momentan in seinem Ministerium diskutiert würden, käme aus der Zivilgesellschaft, erklärte er an einer Pressekonferenz in Astana. Darunter sei auch ein Vorschlag, das Tragen von Kleidung, die das Gesicht verdeckt, im öffentlichen Raum zu verbieten. Eine solche Maßnahme erkläre sich aus „Erwägungen der gesellschaftlichen Sicherheit, dem Schutz der Ethik sowie der nationalen und kulturellen Traditionen“. Ermekbaev kritisierte zudem, dass Menschen mit dem Tragen dieser Kleidung ihre Ablehnung der historisch gewachsenen Prinzipien und geistigen Werte der kasachischen Gesellschaft ausdrücken.

Bereits im April hatte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbaev ein Kopftuchverbot bei einem Treffen mit religiösen Führungspersönlichkeiten thematisiert. Dabei kritisierte er nicht nur die Ganzkörperverhüllung bei Frauen, sondern auch Bärte und knöchellange Hosen bei Männern. Diese Erscheinung wird mit Salafisten und anderen konservativen Muslimen assoziiert, die in Kasachstan als Anhänger eines potenziell gefährlichen Islam gelten. Diesen Trend, gerade bei jungen Kasachinnen und Kasachen, führt Nasarbaev auf deren „Unwissenheit“ zurück. Es sei „notwendig“, ein gesetzliches Verbot dieser Kleidungsweise zu erarbeiten, die den kasachischen Traditionen nicht entsprechen. In kasachischen Schulen ist das Tragen des Hidschab bereits seit 2016 verboten.

Im Juni 2017 hat Kasachstan ein Konzept für Religionspolitik für die Periode 2017–2020 verabschiedet, zu dessen Prioritäten die Bekämpfung von religiösem Extremismus zählt. (NÖK)

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