Belarus: Orthodoxe Kirche hält an Osterprozessionen fest

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Die Weißrussische Orthodoxe Kirche (WOK) hat nicht vor, Osterprozessionen und andere -feierlichkeiten aufgrund der Corona-Pandemie zu verbieten, wie der Leiter ihrer Informationsabteilung, Erzpriester Sergej Lepin, mitteilte. Zwar habe die WOK Sicherheitsmaßnahmen wie das Desinfizieren von Ikonen und Kreuzen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Diese gelten auch für die kommenden Feiertage, weitere Maßnahmen seien aber nicht vorgesehen. Das Festhalten an Prozessionen wird damit begründet, dass diese draußen stattfinden.

Metropolit Pavel (Ponomarjov) von Minsk, das Oberhaupt der WOK, rief die Gläubigen bei einem Bittgottesdienst dazu auf, über die aktuelle Situation nachzudenken, statt in Panik zu verfallen, die den Verstand trübe. Die Epidemie habe „Verwirrung in die Herzen vieler Menschen“ gebracht, aber „wahre Gläubige sind aufgerufen, sich nicht der Furcht und der Verzweiflung hinzugeben, sondern ihr Vertrauen in Gott zu setzen und sich ihren Mitmenschen gegenüber verantwortungsbewusst zu benehmen“. Der Bittgottesdienst am 22. März kam auf Bitten zahlreicher Gläubiger zustande. Im Anschluss überflog Metropolit Pavel Minsk in einem Helikopter und bat aus der Luft um Gottes Segen für die Bevölkerung von Belarus. Während der Luftprozession segnete er zudem Minsk mit einer Kreuzreliquie und einer Marienikone und besprengte die Hauptstadt mit Weihwasser.

Tags zuvor fand auf Initiative der katholischen Kirche eine interreligiöse Solidaritätsaktion als Reaktion auf die Epidemie statt. In der katholischen Hl. Simon und Helena-Kirche in Minsk versammelten sich Vertreter der WOK, der katholischen Kirche, der protestantischen Konfessionen, der jüdischen und der muslimischen Gemeinschaft.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus’ riet der weißrussische Gesundheitsminister den Gläubigen davon ab, Ikonen und andere Kultgegenstände zu küssen. Sein Ministerium wies Ende Februar in einem Brief an die orthodoxe und die katholische Kirche auf die Infektionsgefahr in Kirchen hin. Für die WOK, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, gelten die Anordnungen, die der Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) am 17. März verabschiedet hat. Dazu gehört, dass der Löffel bei der Kommunion nach jeder Austeilung desinfiziert und die Zapivka individuell in Wegwerfbechern ausgeteilt wird. Zum Abwischen der Löffel und Münder sollen Papiertücher verwendet werden, die danach verbrannt werden sollen.

Die staatlichen Behörden haben bisher kaum Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ergriffen. Das Bildungsministerium ist nicht auf eine Petition mit über 17’000 Unterschriften eingegangen, die eine Schließung der Universitäten fordert. Ein anderer erfolgloser Aufruf, unterzeichnet von Oppositionsführern und ihren Unterstützern, drängt auf eine weitgehende Quarantäne und bezeichnete es als „Verbrechen“, die Schulen offen zu lassen. Die weißrussische Fußballliga ist die einzige in Europa, die noch Spiele austrägt. Langzeitpräsident Aleksandr Lukaschenko bezeichnete das Virus als „nichts weiter als eine Psychose“. Dieser und der Panik nachzugeben, würde Belarus weit mehr schaden als das Virus selbst. Als Gegenmittel bezeichnete Lukaschenko die Arbeit in der Landwirtschaft mit Traktoren. Selbst spielte er kürzlich unbesorgt Eishockey, da er keine Viren sehe, die „herumfliegen“. In Bezug auf die Ansteckungsgefahr bemerkte er: „Das ist ein Kühlschrank. […] Sport, besonders Eissport, ist die beste Antivirenmedizin.“ Das Gesundheitsministerium rechtfertigte sich damit, sich auf das Testen zu konzentrieren, das von der WHO als zentrale Maßnahme empfohlen werde. Seit Ende Januar seien über 20’000 Test durchgeführt worden. (NÖK)

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