Ungarn: Lombardi in Budapest: Europa braucht Brücken, keine Mauern

Europa brauche Brücken statt Mauern – und die Menschen auf beiden Seiten des früheren Eisernen Vorhangs müssen weiter zusammenarbeiten, um diese Brücken zu bauen. Das hat der frühere Vatikansprecher und Präsident der „Stiftung Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.“, der Jesuitenpater Federico Lombardi, bei einer zweitägigen Konferenz über die wirtschaftliche, soziale und geistliche Lage in Zentraleuropa in Budapest betont. Im aktuellen Gedenkjahr zur politischen Wende vor 30 Jahren sind dabei auf Einladung der Stiftung sowie der ungarischen Katholischen Pázmány-Universität Persönlichkeiten wie die polnische Ex-Regierungschefin Hanna Suchocka oder der deutsche Soziologe Hans Joas in der ungarischen Hauptstadt versammelt.

1989 habe es eine friedliche Revolution gegen, erinnerte Lombardi laut einem Bericht des Portals Magyar Kurir zum Auftakt der Tagung und überbrachte Grüße sowohl von Papst Franziskus wie auch von Benedikt XVI. Die Osteuropäer hätten damals ihre Kultur und Identität wieder entdeckt. Heute jedoch werde das gesellschaftliche Gefüge durch einen Mangel an Spiritualität untergraben, hielt der Jesuit fest.

Schon vor zehn Jahren habe Benedikt XVI. zum 20. Jahrestag der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei von 1989 dazu aufgerufen, die christlichen Traditionen wiederzuentdecken und nach der Wiederherstellung der Religionsfreiheit auch die Stimme der christlichen Gemeinschaft hören zu lassen, so Lombardi. „Ohne Gott weiß der Mensch nicht, wohin er gehen soll, und vermag nicht einmal zu begreifen, wer er ist“, zitierte der frühere Vatikansprecher aus der 2009 erschienen Papst-Enzyklika „Caritas in veritate“.

Die frühere polnische Ministerpräsidentin Hanna Suchocka stellte die historische Rolle von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen bei der Studientagung. Der Heilige Johannes Paul II. sei geradezu „Katalysator“ der gesellschaftlichen Veränderungen vor drei Jahrzehnten gewesen und habe eine wesentliche geopolitische historische Rolle eingenommen.

Den Papst aus Polen hätten Schlüsselbegriffe, wie Gewaltlosigkeit, Verzeihung, Solidarität, Gerechtigkeit und Friede motiviert. Dennoch sei er kein Politiker, sondern stets ein „Mann des Glaubens“ gewesen, betonte Suchocka. Bis heute erinnerten sich etwa viele an Johannes Pauls Worte „Habt keine Angst!“ in dessen erster Predigt im Jahr 1978. Der darauffolgende Satz werde jedoch oft vergessen, so Suchocka: „Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“

Das Ende des kommunistischen Systems habe der Kirche mehr Freiheit verschafft, hielt Kardinal Peter Erdő in seinem Vortrag bei der Studientagung fest. Der Budapester Erzbischof befasste sich darin mit den Auswirkungen der kommunistischen Zeit auf das kirchliche Leben in Budapest und beleuchtete darin die Entwicklungen rund um die Kirche bei dem politischen Systemwechsel vor 30 Jahren. So habe sich nach der Zerschlagung des Volksaufstandes von 1956 die Mehrheit der Ungarn mit der damals entstandenen Lage abgefunden. „Die Ungarn meinten, der Westen habe sie im Stich gelassen und bemühten sich nun das Beste aus ihrer Lage zu machen“, schilderte Erdő.

Wesentliches Element für die Kirche nach der Wende sei die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Ungarn und dem Heiligen Stuhl schon kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gewesen. Heute versuche die katholische Kirche in Ungarn ihr breites Spektrum an Möglichkeiten im Land zu nützen, um Versöhnung und Frieden zu fördern. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)