Kosovo: Jesuiten ziehen sich aus Pilotschule zurück

Um die künftige Ausrichtung der von den Jesuiten gegründeten Loyola-Schulen im Kosovo gibt es Streit. Die Oberen der Ordensprovinzen von Österreich, Deutschland und Kroatien erklärten am Wochenende ihren sofortigen Austritt aus dem Trägerverein. Zuvor hatte dessen Mitgliederversammlung Schuldirektor P. Axel Bödefeld SJ das Vertrauen entzogen und mit sofortiger Wirkung entpflichtet. Der deutsche Jesuitenpater leitete in der Stadt Prizren das von rund 700 Schülern besuchte Vorzeige-Gymnasium seit vier Jahren. Seit 2013 gibt es dort auch eine Loyola-Grundschule.

Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, der österreichische Jesuiten-Provinzial Pater Bernhard Bürgler, äußerte in einer Pressemitteilung sein Bedauern. Die Jesuiten hätten sich in Prizren erheblich mit Geld und Personal in dem Schul- und Sozialprojekt engagiert. Der Rückzug sei aber unumgänglich, weil eine Mehrheit des Vereins die vom Orden gewünschte Grundausrichtung nicht mittrage. So fehle der Rückhalt für die begonnene Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher aus den Minderheiten der Roma und Ashkali. Dasselbe gelte für das von Politik und Wirtschaft unterstützte und sehr weit fortgeschrittene Projekt einer Berufsschule (Shkolla profesionale Loyola), in der Jugendliche für Betriebe im Kosovo ausgebildet werden sollten. „Ohne das Vertrauen in die handelnden Personen hat unser Engagement hier in Prizren leider keine Zukunft“, hielt Bürgler fest.

Der Trägerverein der Einrichtungen war 2003 gegründet worden, 2005 startete der Betrieb eines staatlich anerkannten, privaten Gymnasiums mit Internaten für Mädchen und Burschen. Es ist nach Angaben der Jesuiten in seiner Ausrichtung bis heute einmalig im Kosovo und erfreut sich hoher Nachfrage. Unterrichtet werden Schüler aller Ethnien und Bekenntnisse. Zu den Besonderheiten zählt den Angaben zufolge die Vermittlung der deutschen Sprache auf hohem Niveau. Am Aufbau waren das katholische Osteuropahilfswerk Renovabis und mehrere deutsche Diözesen finanziell beteiligt. Vor sechs Jahren wurde zudem eine Grundschule gegründet.

Mit dem Projekt „Loyola Tranzit“ bauten die Verantwortlichen nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren zudem eine Brücke zu benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus den ethnischen Gruppen der Roma und Ashkali. In dem sozialpädagogischen Zentrum engagieren sich Schülerinnen und Schüler des Loyola-Gymnasiums in besonderer Weise, in dem sie in einer geschützten Atmosphäre Roma- und Ashkali-Kinder unterrichten, bei ihren Hausaufgaben betreuen und auf den Besuch einer Regelschule vorbereiten.

Der deutsche Jesuitenprovinzial Pater Johannes Siebner erklärte auf Anfrage der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die entscheidende Abstimmung im Trägerverein sei geheim gewesen. Allerdings sei das Gremium „seit Jahren gespalten“. Hinsichtlich der Ausrichtung der Bildungsarbeit gebe es „unterschiedliche Interessen“. Er vermute, dass auch der Wunsch, mit Absolventen aus dem Kosovo den Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben, eine Rolle spiele.

Der Wiener Jesuit und Schulexperte P. Friedrich Sperringer, der seit zehn Monaten am Loyola-Projekt in Prizren tätig war, stellte in seinem Newsletter fest: „So sehr ich persönlich die Entwicklung bedaure, so sehr identifiziere ich mich mit der Entscheidung des Jesuitenordens.“ Es schmerze, eine gute und vielversprechende Arbeit zugunsten junger Menschen aufzugeben, so Sperringer. Der Trägerverein habe aber eben nicht nur aus Jesuiten bestanden, „sondern auch aus Firmen und Stiftungen aus Deutschland, die andere Vorstellungen von der Zukunft dieses Projekts haben“.

Mitglieder des Trägervereins sind albanische und kosovarische Organisationen, die Apostolische Administratur Prizren, ein Frauenorden, die deutsche Hilfsorganisation Grünhelme, zwei Gliederungen des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) im deutschen Sachsen, die Stiftung einer westfälischen Industriellenfamilie sowie weitere Förderer. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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