Bosnien-Herzegowina: Iustitia et Pax fordert ernsteres Engagement für Migranten

Die Kommission Iustitia et Pax der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina hat dazu aufgerufen, die Migrationskrise entschieden anzupacken und ernsthaft nach einer Lösung zu suchen. Mit ihrer Sitzung am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, wollte die Kommission auf „einige der besonders aktuellen Menschenrechtsverletzungen“ aufmerksam machen.

Iustitia et Pax bezeichnete die „aktuelle Migrationskrise“, die Bosnien-Herzegowina immer stärker betreffe, insbesondere angesichts des herannahenden Winters als „Herausforderung für die Nächstenliebe“, aber auch für die „politische (Un-)Ordnung dieses Landes“. Deshalb ruft die Kommission „alle politischen und gesellschaftlichen Strukturen“ auf, „mit vereinten Kräften ernsthafter und verantwortungsvoller an eine humane Lösung dieser sehr ernsten Problematik heranzutreten, die aktuell viele Tausende Migranten aus asiatischen und afrikanischen Ländern, die in unser Land gekommen sind, betrifft“.

Zudem erinnerte Iustitia et Pax an den Apell der Bischofskonferenz vom 5. November 2019 und ermutigte die einheimischen Amtsträger, zusammen mit internationalen Machthabern eine Lösung zuallererst an den Ursprüngen des Problems – in den Herkunftsländern der Migranten – zu suchen. Zufrieden zeigte sich die Kommission mit den Anstrengungen der karitativen Organisationen der katholischen Kirche und anderer humanitärer Organisationen bei der konkreten Hilfe. Die Bischofskonferenz hatte an ihrer Sitzung vom 4. und 5. November 2019 ebenfalls das Thema Migration erörtert. Die bosnischen Bischöfe riefen dabei die internationalen Machthaber dazu auf, den „Millionen von Vertriebenen zu helfen, ihr Recht auf Rückkehr zu verwirklichen“, darunter auch Vertriebenen in Bosnien-Herzegowina, die eine Rückkehr wünschen.

In Bosnien-Herzegowina halten momentan sich Tausende von Migranten auf, viele von ihnen sind seit ihrer Ankunft aus Serbien oder Montenegro gestrandet. Sie versuchen vom Nordwesten des Landes illegal die Grenze zum EU-Mitgliedsstaat Kroatien zu überqueren, um von dort weiter nach Westeuropa zu gelangen. Der bosnische Staat ist mit der Betreuung der Migranten, die mehrheitlich aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien stammen, überfordert. Aufgrund miserabler Bedingungen wurde kürzlich das improvisierte Lager Vučjak in der Nähe von Bihać in Nordwestbosnien geräumt. Die Behörden begannen am 10. Dezember Migranten mit Bussen in ein temporäres Zentrum in der Nähe von Sarajevo zu bringen. Von dort sollen sie in Militärbaracken in Westbosnien umziehen, sobald diese fertig gestellt sind. Am ersten Tag wurden laut der Internationalen Organisation für Migration fast 350 Migranten umgesiedelt.

Das Lager in Vučjak, das seit Juni 2019 besteht, wurde wiederholt für seine unmenschlichen Zustände kritisiert. So gab es dort kein fließendes Wasser und keine Sanitäranlagen, zudem befindet sich das Camp auf einer alten Mülldeponie und in der Nähe eines Minenfelds aus dem Bosnienkrieg. Die miserablen Bedingungen hatten sich mit dem Beginn des Winters noch verschärft. Doch einige der Migranten lehnen die Umsiedlung ab, da sie in der Nähe der Grenze zu Kroatien bleiben wollen, die sie zu überqueren hoffen. (NÖK)

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