Bosnien-Herzegowina: Međugorje-"Seherin" hat keine Monatsvisionen mehr

Im Wallfahrtsort Međugorje in Bosnien-Herzegowina erhält eine jener Personen, die angeblich regelmäßige Erscheinungen der Jungfrau Maria erhalten sollen, diese nur noch jährlich statt monatlich. Mirjana Dragičević-Soldo (55) erklärte laut dem Informationszentrum Mir Međugorje, die Gottesmutter habe ihr am 18. März mitgeteilt, sie werde ihr fortan nicht mehr monatlich erscheinen und ihr keine Botschaft mehr geben. Drei andere Personen aus Međugorje sehen ihren Aussagen zufolge die Mutter Jesu weiterhin täglich, zwei weitere wie Dragičević-Soldo einmal pro Jahr.

Dragičević-Soldo stammt aus Sarajevo, ist verheiratet und Mutter zweier Töchter. Sie war 16 Jahre alt, als 1981 sie und fünf andere Jugendliche erstmals von Marienerscheinungen in Međugorje berichteten. Ihren Angaben zufolge hatte sie ab Weihnachten 1982 keine Erscheinungen mehr, sondern nur noch jeweils an ihrem Geburtstag am 18. März. Seit 1987 gab sie an, zusätzlich am 2. Tag jedes Monats die Stimme der Jungfrau Maria zu hören, sie dabei immer wieder auch zu sehen und gemeinsam mit ihr „für die Personen, die die Liebe Gottes noch nicht erfahren haben“ zu beten. Letzteres geschieht nun offenbar nicht mehr.

Die in der Nähe von Mostar gelegene Kleinstadt Međugorje zählt zu den wichtigsten katholischen Pilgerorten mit zuletzt bis zu zwei Millionen Pilgern jährlich, darunter viele Österreicher. Aus dem Vatikan gibt es zur Frage der Echtheit der Marienerscheinungen, bei denen die Visionäre auch Botschaften über Frieden, Bekehrung, Gebet und Fasten erhalten, noch keine offizielle Position; die Ergebnisse der von 2010 bis 2015 tätigen vatikanischen Untersuchungskommission wurden bisher nicht publik. Papst Franziskus hat 2018 mit der Ernennung eines Apostolischen Visitators für die Pfarre Međugorje auf unbegrenzte Zeit sowie mit der Erlaubnis offizieller Pilgerfahrten im Mai 2019 Schritte einer Öffnung gesetzt.

Die aktuelle Corona-Situation macht vor Međugorje nicht Halt und hat zu einem Totaleinbruch der Pilgerströme geführt. Laut Angaben der Website medjugorje.hr wurden gemäß den Vorgaben der Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina die Eucharistiefeiern und Abendgebete von der Kirche ins Freie auf den dahinter liegenden Außenaltar verlegt. Ähnlich wie in Assisi, Lourdes und Fatima überträgt die Pfarrei ihre Liturgien via Live-Streaming (www.medjugorje.hr/live-streaming). Die Lage sei für alle Gläubigen eine „Gelegenheit, den Wert der Eucharistie, an die wir uns gewöhnt haben, und des Beichtsakraments, das wir vergessen haben, sowie auch der Anbetung wiederzuentdecken, indem wir sie nicht haben“, erklärte Ortspfarrer Marinko Sakota beim Josefsfest. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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