Bulgarien: Kirchen bleiben zu Ostern offen

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Die Bulgarische Orthodoxe Kirche (BOK) will trotz der Corona-Epidemie ihre Kirchen geöffnet halten und weiterhin Gottesdienste durchführen. Am 30. März verabschiedete der Hl. Synod eine Reihe von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus, dabei erklärte er aber ausdrücklich, dass alle Kirchen offen blieben und darin alle Gottesdienste der Fastenzeit gefeiert würden. Allerdings rief er die Gläubigen auch dazu auf, zuhause zu bleiben und betonte, die Bemühungen der staatlichen Institutionen „vollständig zu unterstützen“.

Auch die Kommunion soll laut des veröffentlichten Maßnahmenkatalogs unverändert gespendet werden. Allerdings sollen Geistliche dabei die Kommunion „mit besonderer Vorsicht“ nur denjenigen Gläubigen spenden, die sie persönlich kennen. In den Kirchen sollen Böden, Ikonen und Sitze regelmäßig gereinigt und desinfiziert, Teppiche zur einfacheren Reinigung entfernt werden. Kirchendiener und -besucher sind aufgerufen, Gesichtsmasken zu tragen und Abstand zu halten. Taufen und Hochzeiten werden mit begrenzter Gästezahl durchgeführt, während Trauergottesdienste draußen in Anwesenheit nur der engsten Angehörigen stattfinden sollen.

Der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borisov bestätigte am 9. April nach einem Treffen mit Patriarch Neofit und dem Hl. Synod der BOK, dass die Kirchen am Palmsonntag, während der Karwoche und an Ostern nicht geschlossen würden. Borisov teilte dem Hl. Synod mit, man erwarte den Höhepunkt der Epidemie an Ostern und rief daher zu verstärkten Hygienemaßnahmen auf. Die BOK entschied daraufhin, am Palmsonntag keine Palmwedel, Weidenkätzchen und Blumen zu verteilen. Zudem sagte sie den Flug nach Jerusalem ab, mit dem das Heilige Feuer von der Grabeskirche geholt wird. Vielen Menschen bedeute das Osterfest sehr viel, für sie sei es lebenswichtig, in die Kirche zu gehen, deshalb könne er die Kirchen nicht schließen, erläuterte Borisov. Alles sei möglich, wenn sich die Leute diszipliniert verhalten.

An der Pressekonferenz nach dem Treffen betonte Metropolit Gavriil (Dinev) von Loveč, er glaube nicht, dass das Virus in Kirchen verbreitete werden könne. Aber die Kirche habe für alle Fälle strenge Hygiene-Maßnahmen ergriffen. Wie einige andere orthodoxe Kirchenvertreter vertritt die BOK die Meinung, dass die Sakramente keine Krankheiten übertragen können. Trotzdem rief die BOK schon im März die Gläubigen auf, zuhause zu bleiben, die Geistlichen würden in den Kirchen für sie beten. Dem schloss sich auch Patriarch Neofit in einem Statement zur Corona-Krise an und rief die Gläubigen zuhause zum Gebet für die Heilung der Kranken und zur Unterstützung von Ärzten, Regierung und Militär auf. Zudem erinnerte er daran, dass alle sich ihren „Nachbarn, ihrer Nation und Heimat“ gegenüber verantwortungsvoll verhalten sollen.

Generalleutnant Venzislav Mutaftschinski, der Leiter des bulgarischen Krisenstabs, rief die orthodoxen Bulgaren auf, an Ostern nicht in die Kirche zu gehen und auch sonst nirgendwo hinzugehen oder zu fahren. Sie sollten das Fest zuhause mit denjenigen feiern, mit denen sie leben. Die Regierung wurde mehrfach aufgerufen, die Kirchen der BOK zu schließen. Sie ist die einzige Glaubensgemeinschaft in Bulgarien, deren Gebetsräume noch geöffnet sind. (NÖK)

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