Kroatien: Europäische Kirchen unterstützen Prioritäten der EU-Ratspräsidentschaft

Zu Beginn der kroatischen EU-Ratspräsidentschaft haben Vertreter der europäischen Kirchen den kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenković am 20. Januar in Zagreb getroffen und mit ihm eine Reihe aktueller Themen für die Zukunft Europas, darunter Demografie, Digitalisierung, Ökologie und Migration besprochen. Die ökumenische Delegation aus Mitgliedern der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) unterstrich die Bereitschaft der Kirchen, aktiv an diesem Prozess mitzuwirken.

Kardinal Jean-Claude Hollerich, der Präsident der COMECE, äußerte die Sorge der Kirchen über Spaltungen in Europa. Dabei betonte er die wichtige Rolle Kroatiens als Vermittler und erklärte, dass „Dialog und gegenseitiger Respekt zentrale Werte sind, die erhalten werden müssen, um Spaltungen zu überwinden“. Christian Krieger, der Präsident der KEK, unterstrich, dass der „interreligiöse und interkulturelle Dialog eine wichtige Rolle bei der Förderung gesellschaftlicher Harmonie und eines Geistes der Begegnung in Europa und darüber hinaus“ spiele.

Bei seiner Präsentation der Prioritäten der kroatischen Ratspräsidentschaft verwies Andrej Plenković auf die bedrohliche demografische Entwicklung und die Lage der Familien auf europäischer Ebene. Angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung, einem Phänomen, das die Hälfte der EU-Staaten betreffe, hatte die kroatische Regierung erfolgreich dafür geworben, das Thema Demografie in das „Strategische Programm der EU 2019–2024“ aufzunehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt der kroatischen EU-Ratspräsidentschaft ist der weitere Weg der südosteuropäischen Staaten in Richtung EU-Integration. Auch für dieses Vorhaben sprachen die Kirchenvertreter der kroatischen Regierung ihre Unterstützung aus. Zudem riefen sie die kroatische EU-Ratspräsidentschaft dazu auf, sich für den Schutz des Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit in der EU sowie weltweit einzusetzen. Kardinal Jean-Claude Hollerich erklärte nach dem Treffen, er sei vom „hohen Niveau der Regierungsdelegation und ihrer Offenheit“ positiv überrascht gewesen.

Anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen nahmen die europäischen Kirchenvertreter am 19. Januar an einem ökumenischen Gottesdienst in der Kathedrale von Zagreb teil. An der zentralen Feier der diesjährigen Gebetswoche in Kroatien wirkten neben dem Zagreber Erzbischof Josip Kardinal Bozanić der Metropolit von Zagreb und Ljubljana der Serbischen Orthodoxen Kirche, Profirije (Perić), der Bischof der Evangelischen Kirche in Kroatien, Branko Berić, der Bischof der Reformierten Christlichen (Calvinistischen) Kirche in Kroatien, Péter Szenn, der Vorsitzende des Bundes der baptistischen Kirchen in Kroatien, Pastor Ivica Horvat, und der Gemeindepriester der Makedonischen Orthodoxen Kirche in Kroatien, Kirko Velinski, mit. An der Feier sagte Kardinal Hollerich, die Christen könnten von den europäischen Institutionen lernen. Wenn sie auf die europäische Vergangenheit blickten, blickten sie nicht auf Kriege und Auseinandersetzungen, sondern auf das, was sie verbinde und eine. (NÖK)

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